Das Massaker von Jaffa (1799)

Im Rahmen des französischen Orientfeldzugs markiert die Belagerung und das anschließende Massaker von Jaffa im März 1799 eines der düstersten Kapitel in der Karriere Napoleon Bonapartes. Nachdem der junge General in Ägypten Fuß gefasst hatte, drängte er weiter nach Norden in die Levante, um einer drohenden Gegenoffensive des Osmanischen Reichs zuvorzukommen. Die Hafenstadt Jaffa war von hoher strategischer Bedeutung, da sie den Nachschub der französischen Truppen sichern sollte. Nachdem die osmanischen Verteidiger zwei Übergabeangebote abgelehnt und die verhandelnden Boten enthauptet hatten, befahl Bonaparte den Sturmgriff auf die Festung. Nach dem Fall der Stadtmauer am 7. März 1799 entlud sich die Wut der französischen Soldaten in einem stundenlangen Exzess. Zivilisten und bereits entwaffnete Kämpfer wurden Opfer von Plünderungen, Vergewaltigungen und wahllose Morden, was im damaligen Kriegsrecht beim gewaltsamen Einnehmen einer belagerten Stadt zwar häufig geduldet wurde, doch die Ereignisse der folgenden Tage überstiegen diesen Rahmen bei Weitem.

Das eigentliche Massaker vollzog sich an den geschätzten 2.400 bis 4.000 osmanischen Soldaten, die sich in der Zitadelle verschanzt hatten. Bonapartes Adjutanten Eugène de Beauharnais und Édouard Colbert hatten den Verteidigern bei ihrer Kapitulation zugesichert, dass ihr Leben geschont würde. Als die Tausenden Gefangenen ins französische Lager gebracht wurden, reagierte Napoleon jedoch voller Zorn und Verzweiflung. Er sah sich mit einem unlösbaren logistischen und militärischen Dilemma konfrontiert: Seine Truppen litten unter akutem Verpflegungsmangel, weshalb eine Versorgung der Gefangenen unmöglich erschien. Gleichzeitig fehlten ihm die Männer, um eine so große Zahl an Kriegsgefangenen zu bewachen oder nach Ägypten zu eskortieren. Eine Freilassung lehnte er ab, da ein Teil der Verteidiger bereits bei der vorherigen Belagerung von al-Arisch auf Ehrenwort freigelassen worden war und den Eid, nicht mehr gegen Frankreich zu kämpfen, gebrochen hatte.

Über drei Tage hinweg beriet sich Bonaparte mit seinen Generälen, ehe er die systematische Exekution der Wehrlosen anordnete. Um die knappen Munitionsbestände zu schonen, wurden die Gefangenen ab dem 8. März in Gruppen an die Strände von Jaffa getrieben und dort mit Bajonetten erstochen, mit Säbeln niedergemacht oder im Meer ertränkt. Die Verantwortung Napoleons für dieses Verbrechen ist unbestreitbar und direkt. Auch wenn spätere Apologeten versuchten, die Tat als unvermeidbare strategische Notwendigkeit nach den Gepflogenheiten der Orientkriegführung darzustellen, war der Befehl eine eklatante Verletzung des Ehrenworts seiner Offiziere und eine bewusste Entscheidung für ein Massenverbrechen aus kaltem Kalkül. Napoleon übernahm in seinen späteren Memoiren selbst die Verantwortung, versuchte jedoch vergebens, das Vorgehen mit militärischer Ausnahmslosigkeit zu rechtfertigen. Die Gräueltat hatte zudem verheerende Konsequenzen für die Franzosen selbst: Die unbestatteten Leichen am Strand beschleunigten den Ausbruch der Pest im eigenen Lager dramatisch, und der legendäre Widerstandswille der Osmanen bei der anschließenden Belagerung von Akkon war nicht zuletzt dem Wissen geschuldet, dass eine Kapitulation vor Napoleon den sicheren Tod bedeutete.

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