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Wie konnte ein junger Korse zum Herrscher über Frankreich und der mächtigste Mensch Europas werden? Um dies zu erklären reicht es nicht aus sich nur auf Napoleon zu konzentrieren. Um Napoleon erklären zu können, müssen wir einen Blick auf das Frankreich seiner Zeit werfen.

Als Ludwig XV. 1715 den Thron von seinem Vater erbte war er erst 5 Jahre alt und verstand sicher nicht, dass er der Herrscher über den mächtigsten Staat Europas geworden war. Deshalb übernahm sein Onkel, der Herzog Phillip von Orleans, die Regentschaft über die Nation mit den meisten Einwohnern und der größten Anzahl von Soldaten in der Alten Welt. Die Ausbildung des Königs übernahm Kardinal Fleury, welcher daraufhin natürlich einen großen Einfluss auf den Jungen gewann.

Während der Regentschaft des liberalen Phillips vollzog Frankreich einen politischen Kurswechsel, freilich ohne den Anspruch des Absolutismus aufzugeben. Bisher verbotene Bücher durften neu aufgelegt werden, das Parlament wurde gestärkt. Frankreich hielt sich insgesamt 13 Parlamente, in keinem davon saß jedoch ein gewählter Vertreter. Vielmehr handelte es sich um aristokratische Gerichtshöfe. Aber nur das Pariser Parlament hatte das Recht Gesetze des Königs formell zurückzuweisen, auch wenn das letzte Wort beim absoluten Herrscher lag.

Der König wuchs im 30 Kilometer von Paris entfernten Versailles auf. In dem prachtvollen Schloss, dessen Hauptgebäude 700 Zimmer besitzt, lebten und arbeiteten 15.000 Menschen. Versailles war nicht nur architektonisch Vorbild für viele europäische Höfe.

Auch in der Außenpolitik schlug Philipp neue Bahnen ein, indem er sich mit England, Holland und dem Kaiser gegen Spanien verbündete, dessen Versuche, die im Utrechter Frieden verlornen italienischen Besitzungen wiederzuerlangen, daraufhin scheiterten.

Um den finanziellen Verlegenheiten des Staats abzuhelfen, gewährte der Regent dem schottischen Bankier John Law, und dessen Handelsgesellschaft Compagnie de la Louisiane ou d'Occident oder Mississippi-Kompanie, gegen den Willen des Parlaments freie Hand. Law erwarb für die Mississippi-Kompanie Privilegien und Monopole in Amerika, woraufhin sich der Kurs der Aktie, auch durch künstliche Verknappung, in dramatische Höhen entwickelte Nachdem der Kurs für eine 500-Livre-Aktie auf 10.000 stieg, zerplatzte die Spekulationsblase und das Unternehmen brach dramatisch ein. Tausende von Anlegern waren auf einen Schlag ruiniert. Durch diese Finanzoperationen wurde zwar die Staatsschuld beinahe auf die Hälfte vermindert, aber auch von neuem die Unzufriedenheit des Volkes gegen die Regierung wachgerufen.

Im Dezember 1723 starb der Regent, und Ludwig XV. übernahm die Regierung, welche vom Premierminister Herzog von Bourbon-Condé und nach dessen Sturz 1726 der Erzieher des jungen Königs, Kardinal Fleury, geführt wurde.

Es gelang Fleury, Spanien durch den Vertrag von Sevilla (1729) von neuem an Frankreich zu binden und so die Politik Ludwigs XIV. wieder aufzunehmen. Dieses Bündnis trat 1733 beim Ausbruch des polnischen Erbfolgekriegs in Wirksamkeit, in dessem Verlauf die Franzosen in Deutschland Lothringen, Trier, Kehl und Philippsburg, sowie in Italien Mailand eroberten, während die Spanier Neapel und Sizilien einnahmen.

Im Oktober 1735 wurden Friedenspräliminarien zu Wien abgeschlossen, welche die Königreiche Neapel und Sizilien dem jüngern Sohn des Königs von Spanien, das Herzogtum Lothringen aber zur Entschädigung Stanislaus Leszczynski zuteilten, nach dessen Tod (1766) es letztlich seinem Schwiegersohn, dem König von Frankreich, zufallen sollte.

Fleury hatte durch diesen militärischen und diplomatischen Feldzug das Ansehen Frankreichs wieder gehoben und die habsburgische Herrschaft über Italien gebrochen. Ob der König daran Anteil hatte darf bezweifelt werden, musste er doch seinen prall gefüllten Terminkalender einhalten: Konzerte, Komödien, Ballspiele, Bälle und Mätressen forderten einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit. Als er Jeane-Antoinette Poisson, eine bürgerliche aus dem dritten Stand, erst zu seiner Mätresse und dann zur Marquise de Pompadour macht, war der dekadente Hof empört. Das ausschweifende Leben des französischen Hofes wurde in allen Ständen immer lauter kritisiert.

1738 war ein außergewöhnliches Jahr für Frankreich, denn trotz des verworrenen Steuersystems war der Staatshaushalt ausgeglichen. Es war allerdings das einzige Mal in diesem Jahrhundert! Wenn mehr als nur ein Drittel des dritten Standes tatsächlich Steuern gezahlt hätte, wäre der Staat vielleicht nicht ständig am Rande des Bankrotts gewesen.

1741 wurde Frankreich in einen neuen Krieg mit Österreich verwickelt. Als der deutsche Kaiser  Karls VI. 1740 starb, folgte ihm die Erzherzogin Maria Theresia von Österreich auf den Thron. Ihr Vater hatte durch Pragmatische Sanktion das salische Gesetz aufgehoben und somit auch die weibliche Thronfolge ermöglicht. Friedrich der Große von Preußen nutze die Gelegenheit, und versuchte die österreichische Macht in Deutschland zu verringern. Nachdem preußische Truppen in Schlesien einmarschierten, kam es zum österreichischen Erbfolgekrieg.

Frankreich und Bayern wandten sich ebenfalls gegen Österreich. Doch blieben die militärischen Erfolge in Deutschland und Italien aus und Frankreich musste beide Länder unter großem Verlust räumen.

Zwar eroberte Moritz von Sachsen durch seine Siege bei Fontenoy und Raucourt Belgien, doch da Frankreich von dem langen Krieg völlig erschöpft und überdies von den Engländern der meisten seiner Kolonien beraubt worden war, schloss es am 18. Oktober 1748 den Frieden zu Aachen. Sämtliche Eroberungen, sowohl in Europa als in den überseeischen Ländern, wurden von allen Seiten zurückgegeben; Frankreich hatte also mit seinen großen Opfern am Ende nichts erreicht.

Obwohl der König sich lieber der Steuerreform gewidmet hätte, um endlich die Staatskasse zu füllen, musste er erst einen religiösen Streit austragen der weit reichende politische Folgen nach sich zog. Die Anhänger des flandrischen Bischofs Cornelius Jansen verurteilten den Prunk der katholischen Staatskirche. Diese antwortete mit dem Verbot des letzten Sakraments am Sterbebett der Janseniten. Indem das Pariser Parlament, in dem einige Anhänger von Jansen saßen, sich der Jansenisten annahm und den Erzbischof bestrafen wollte, geriet es in Streit mit dem König, der es daraufhin auflöste und einige seiner Mitglieder verbannte. Jede Opposition wurde durch willkürliche Haftbefehle (Lettres de cachet) bestraft. Erst als die anderen Parlamente sich auf die Seite der Pariser schlugen, lenkte der König ein. Aber es war zu spät, eine unüberbrückbare Kluft war zwischen König und Parlament entstanden.

Noch verhängnisvoller wurde Frankreich sein Anteil am Siebenjährigen Krieg. Da der Kampf mit England um die Kolonien in Nordamerika und Ostindien trotz des Aachener Friedens bald von neuem ausbrach und Preußen sich 1756 mit England verbündete, ging Frankreich ein Bündnis mit Österreich gegen Preußen ein.

Die 250jährige Rivalität zwischen Frankreich und Österreich war damit beendet, und Frankreich schlug in Deutschland fortan eine ganz neue Politik ein, indem es im Bund mit Österreich und den kleinern deutschen Staaten das emporstrebende Preußen zu unterdrücken suchte; als Siegespreis wurde ihm Belgien versprochen.

Anfangs war das Glück den Franzosen günstig, und Richelieu eroberte 1756 Minorca, der Gouverneur von Kanada, Montcalm, die englischen Forts am Ontariosee. 1757 schlug d'Estrées das englische Heer bei Hastenbeck und zwang es zur Konvention von Kloster-Zeven, welche Nordwestdeutschland den Franzosen überlieferte.

Die Niederlagen von Roßbach (1757), Krefeld (1758) und Minden (1759) entrissen den Franzosen das militärische Übergewicht in Deutschland, welches sie trotz ungeheurer Opfer an Geld und Menschen bis zum Ende des Kriegs nicht wiedergewinnen konnten.

Während seine Soldaten in vorderster Front stehen, blutete auch der König. Im Januar des Jahres 1757 wurde er vor seinem Schloss von Francois Damiens angegriffen und mit einem Messer verletzt. Er ist zwar ein Einzeltäter, aber tatsächlich hat das Regime eine unglaubliche Anzahl von Feinden. Der König wurde vom einfachen Volk verspottet, die Adligen wagten es ihn immer lauter zu kritisieren.  Der erfolglose und kostspielige Krieg reichte nicht aus um die Kritiker im eigenen Land beruhigen.

Noch unglücklicher verlief der Krieg in Nordamerika, wo nach der Eroberung der kanadischen Küsten der englische General Wolfe den Marquis von Montcalm bei Quebec schlug; nach diesem Gefecht, in welchem beide Feldherren fielen, kapitulierte Quebec (September 1759). Mit dem Verlust dieser Hauptstadt war auch der Kanadas, ja ganz Nordamerikas für die Franzosen entschieden, wie er sich dann auch tatsächlich in den nächsten Kriegsjahren vollzog. Gleichzeitig wurden die französischen Flotten in den Gefechten bei Lagos und in der Bucht von Quiberon vernichtet und damit die Herrschaft der Meere eindeutig in die Hände der englischen Royal Navy gelegt.

Der Abschluss eines ewigen Bündnisses, des so genannten Familientraktats, mit den spanischen Bourbonen im Jahr 1761 vermochte das Glück des Kriegs nicht mehr zu wenden.

So musste Frankreich im Pariser Frieden (10. Febr. 1763) Kanada, Neuschottland und Cape Breton Island, das Ohiotal und mehrere amerikanische Inseln an England abtreten und Spanien für den Verlust Floridas an England durch Louisiana entschädigen. Aus Deutschland musste es seine Truppen ohne jede Entschädigung zurückziehen. 1100 Millionen Livres waren ohne jeden Gewinn verschwendet, und der Kriegsruhm der französischen Armee hatte empfindliche Einbuße erlitten. Preußen war neben England, Frankreich, Russland und Österreich zur fünften Europäischen Großmacht aufgestiegen. Diese Pentarchie sicherte vor und nach den Revolutions- und Napoleonischen Kriegen für viele Jahre den Frieden in Europa und ihre Restaurierung war ein wichtiger Punkt während des Wiener Kongresses (1814/1815).

Außenpolitisch praktisch gescheitert, versuchte die Regierung Ludwigs XV. in Frankreich ihre Macht zu verteidigen. Der aufgeklärte Premierminister Choiseul, welcher die Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich veranlasst und 1768 von Genua die Korsika (auf der wenig später ein kleiner Junge geboren wurde...) erworben hatte, wurde 1770 zu Gunsten des Höflings Aiguillon entlassen.

1771 hatte Ludwig XV. endlich den Mut das Pariser Parlament zu zerschlagen. Die bisher von der Oberschicht gekauften Parlamentssitze wurden durch Beamte ersetzt. Joseph-Marie Terray führte eine fünfprozentige Einkommensteuer ein und schafft es fast den Haushalt zu sanieren. Doch die Maßnahmen entfernten den Hof noch weiter von seinem Volk. Der König kämpfte jeden Widerstand nieder. Seine Polizei verhaftete jeden leisesten Kritiker und in der Bastille wurden Lagerhallen gebaut um die unzähligen Schmähschriften lagern zu können.

Während Hof und Adel in diesen Krisenzeiten weitgehend ohne Mäßigung weiterlebten und die wirtschaftlichen Folgen der verlorenen Kriege der Bevölkerung aufbürdeten, wuchsen Hass und die Verachtung gegen die herrschende Klasse im Volk stetig.

Dazu kam die revolutionäre Strömung, die in der gesamten Literatur vorherrschte. Voltaire, der in historischen, philosophischen und poetischen Schriften die überlieferte Sitte und Religion, die Kirche, das Königtum und die Feudalität bekämpfte, war von zahlreichen jüngern Leuten umgeben, die zum Teil noch weit über seinen Standpunkt hinausgingen und in Religion und Politik entschieden materialistische und atheistische Prinzipien verkündeten.

Das Manifest und der Vereinigungspunkt dieser Partei, welche nun hauptsächlich die öffentliche Meinung beherrschte, war Diderots "Encyklopädie", ein allgemeines, räsonierendes Realwörterbuch, dessen erste Bände 1751 erschienen. Der Genfer Jean Jacques Rousseau (1712-78) wandte sich vornehmlich gegen die unnatürliche Bildung, die schreiende soziale Ungleichheit der Zeit ("Contrat social"), die überkommene Religion und Moral ("Nouvelle Héloïse") und fand auf allen diesen Gebieten überaus zahlreiche Verehrer und Gesinnungsgenossen.

Gemäßigter als Voltaire, die Encyklopädisten und Rousseau waren die Nationalökonomen, welche aber doch dem noch immer herrschenden, auf einseitige Begünstigung der Industrie hinauslaufenden "Merkantilsystem" Colberts ein auf Bevorzugung der Landwirtschaft und damit des großen Bauernstandes gegründetes "physiokratisches" System gegenüberstellten.

Gerade die höheren Klassen pflegten und billigten alle diese Neuerungen und bereiteten dadurch den Umsturz einer Gesellschaftsordnung vor, die eigenlich zu ihrem eignen Vorteil eingerichtet war.

Am 10. Mai 1774 starb Ludwig XV. nach kurzer Krankheit an den Pocken. Gegen Ende seiner Regierung hatte er schon einer bedeutenden Polizeimacht bedurft, um Paris in Ruhe zu erhalten. Er selbst vermied es in den letzten Jahren die Hauptstadt zu besuchen.

Der kaum 20jährige Ludwig XVI., sein Enkel (1774-1792), war im Grund wohlwollend, der Tyrannei abgeneigt, voll Anerkennung für höhere Begabung, aber unwissend, schwach, ohne selbständiges Urteil, ohne Lust zu Staatsgeschäften, von seiner Umgebung abhängig. Trotz aller Niederlagen und Krisen war sein Erbe immer noch eine der mächtigsten Nationen der Welt und spannte sich auch um diese. 25 Millionen Menschen lebten in 43 französichen Provinzen, davon etwa 350.000 Adlige und 50.000 Geistliche. Den bedeutend größten Teil der Bevölkerung stellt der dritte Stand. Und auch in diesem gibt es große Unterschiede, so hat sich in den französischen Städten ein reiches Bürgertum entwickelt, welches nicht zum dritten Stand gehören möchte und zu den anderen Ständen keinen Zutritt hat.

Ludwig XVI. begann seine Herrschaft mit der Zurücknahme der wichtigsten Errungenschaften seines Vorgängers. Terray wurde entlassen, das Pariser Parlament in seinen alten Zustand versetzt und die allgemeine Steuer für Adel und Klerus abgeschafft.

Zwar ernannte er zu dem damals wichtigsten Ministerium, demjenigen der Finanzen, den tüchtigen Nationalökonomen Anne Robert Jacques Turgot. Als dieser eine umfassende Reform anstrebte durch Aufhebung der Staatsfronen und Zünfte, durch Beschränkung der unverdienten Pensionen und Gnadengehalte und durch Einführung einer allgemeinen, auch die Privilegierten betreffenden Steuer, ließ Ludwig XVI. infolge des Widerstandes der Höflinge und der Geistlichkeit Turgot fallen und ersetzte ihn 1776 durch Jean Étienne Bernard Ogier de Clugny, einen völlig bedeutungslosen Mann der alten Schule, welcher sofort die Reformen rückgängig machte. Dies erregte allgemeinen Unwillen und enthüllte zugleich aller Welt die Schwäche und persönliche Unfähigkeit Ludwigs XVI.

Entschlossener leitete die auswärtige Politik der Minister Charles Gravier comte de Vergennes. Um an England wegen des Siebenjährigen Kriegs Rache zu nehmen, schloss er Anfang Februar 1778 mit den aufständischen englischen Kolonien in Nordamerika ein Bündnis, dem sich bald auch Spanien und Holland anschlossen.

England war diesem Bund nicht gewachsen und musste im Frieden von Versailles im Januar 1783 nicht nur die Freiheit der Vereinigten Staaten von Nordamerika anerkennen, sondern auch Senegambien, das Gebiet des heutigen Senegal und Gambia, sowie Tobago und einige andere Inseln an Frankreich, Florida und Minorca an Spanien abtreten.

Wie sich schon bald herausstellte, musste Frankreich diesen vermeintlichen Erfolg teuer bezahlen. Einerseits musste die Verteidigung der Volksrechte in Amerika gegenüber einer legitimen Regierung gefährlich auf die ohnehin revolutionäre Gesinnung in Frankreich selbst zurückwirken, anderseits wurde durch diesen Kampf, welcher Frankreich allein 1750 Millionen Livres gekostet hatte, die finanzielle Zerrüttung aufs äußerste gesteigert. Gleichzeitig kam die heimische Industrie unter großen Druck, da zum Beispiel industriell gefertigte Textilien aus England den französischen Markt überschwemmten.

Der 1777 als Finanzminister berufene Genfer Bankier Necker suchte der Not durch Verminderung der Hofausgaben und Gnadengehalte einigermaßen zu steuern, wurde aber deswegen 1781 entlassen.

Durch diese Nachgiebigkeit gegen die reaktionäre Hofpartei büßte Ludwig XVI. den letzten Rest seiner Popularität ein; besonders verhasst wurde seine Gemahlin Marie Antoinette, Maria Theresias Tochter, welcher ihre Eigenschaft als Fremde und ihr leichtsinniges Betragen bereits viele Gegner gemacht, und die dann sowohl auf Turgots als auf Neckers Entfernung hingearbeitet hatte.

Die Nachfolger Neckers brachten die Staatsfinanzen in eine solche Unordnung, dass der Bankrott unvermeidlich war, wenn nicht die privilegierten Stände (Adel und Geistlichkeit) auf ihre Steuerfreiheit verzichteten.

Um sie dazu zu bewegen, ließ Charles Alexandre de Calonne, der Generalkontrolleure der Finanzen,  am 29. Januar 1787 durch den König eine erweiterte Ratsversammlung einberufen. Diese Notabelnversammlung bestand aus 144 Angehörigen der französischen Oberschicht. Seit 1614 war diese Versammlung nicht mehr zusammen gekommen und damit war das ganze alte absolutistische Regierungssystem, wie es seit Richelieu bestanden hatte, praktisch für beseitigt erklärt. Der König stand nicht mehr, wie einst der "Sonnenkönig" Ludwig  XIV., über allen Ständen und fast auf der gleichen Stufe wie Gott.

Die Notabeln dachten nicht daran ihre Privilegien aufzugeben, leisteten erheblichen Widerstand und kämpften für ihre Privilegien und Calonne musste im April 1787 sein Amt niederlegen.

Anstatt des vom Volk geforderten Necker ernannte der König Étienne Charles de Loménie de Brienne, Erzbischof von Toulouse, zu Calonnes Nachfolger. Aber auch er vermochte den Widerstand der Notabelnversammlung nicht zu überwinden, die sich im Mai 1787 trennte, ohne ein bestimmtes Ergebnis erzielt zu haben, aber nachdem sie das inhaltschwere Wort ausgesprochen hatte: nur die Generalstände des Reichs seien eine allgemeine Reform zu bringen berufen und imstande. So war es gerade die herrschende Klasse, welche mit ihrem Ruf nach der Generalständeversammlung den entscheidenden Anstoß für die französischen Revolution und ihren eigenen Untergang gab.

Der König und Brienne dachten nicht daran die Versammlung einzuberufen. Sie wollten die notwendigen Reformen ohne Notabeln und Generalstände durchführen, trafen dabei aber bald auf den Widerstand des von Ludwig XVI. selbst wiederhergestellten Parlaments.

Um dasselbe gefügig zu machen, wurde es nach Troyes verbannt; aber seine Zustimmung zu einer neuen Anleihe konnte nur durch Aufopferung der beabsichtigten Reformen und seine Rückberufung nach Paris erkauft werden.

Parlament und Adel, in ihren Vorrechten bedroht, scheuten sich nicht, die Volksmassen gegen das Königtum aufzuhetzen, so dass es schon im Frühjahr 1788 zu blutigen Zusammenstößen kam, bei welchen die Truppen, von ihren aristokratischen Offizieren verleitet, sich unzuverlässig zeigten.

Das Parlament erklärte am 3. Mai 1788 Frankreich für eine konstitutionelle, durch die Generalstände beschränkte Monarchie. Brienne wagte diesem Sturm nicht zu widerstehen; er selbst riet im August 1788 dem König, Necker wiederum zum Finanz- und leitenden Minister zu ernennen.

Necker wollte der Forderung der Nation genügen und die Generalstände einberufen, welche selbst die nötigen Anordnungen treffen sollten, d. h. er wollte eine wahrhafte Revolution durchführen, ohne doch eine Ahnung von der Tragweite dieses Schrittes zu haben.

Die Ankündigung der Generalstände rief eine ungeheure Bewegung hervor, welche sich in tausenden Flugschriften bemerkbar machte. Die bedeutendste unter denselben war die des Abbé Sieyès: "Qu'est-ce que le tiers-état?" ("Was ist der Dritte Stand?"), welche dem Bürgerstand die wichtigste Rolle in dem politischen Leben der nächsten Zukunft zusprach.

Die Versammlung hatte noch nicht begonnen, da konnte der 3. Stand bereits einen Sieg davontragen. Ursprünglich sollte jeder Stand durch 300 Abgeordnete vertreten werden. Damit hätten der 1. und 2. Stand immer die Mehrheit gehabt. Erst unter großem Druck wurde dem 3. Stand zugestanden, dass er mit 600 Abgeordneten in die Versammlung gehen darf.

In diesem Moment herrschte eine trügerische Eintracht zwischen den drei Ständen. Die ganze Nation war von dem Wunsch erfüllt, dem Despotismus, wie er unter Ludwig XVI. bestand, ein Ende zu machen. Der dritte Stand erhoffte die Beseitigung der drückenden und ungerechtfertigten Vorzüge des Adels und der Geistlichkeit, doch sah man im Moment noch den französischen Hof als größten Gegner.

Die Lage spitzte sich zu,  als eine erneute Missernte und ein harter Winter die Brotpreise in die Höhe trieben.

Am 5. Mai 1789 traten die Generalstände in Versailles zusammen, ohne dass ihnen von der Regierung irgendein Programm vorgezeichnet worden wäre. Die Versammlung war bereits am Anfang zum Scheitern verurteilt. Während der König hoffte seine Steuerreform durchsetzen zu können, kämpften Adel und Klerus für den Erhalt ihrer Privilegien und erhofften sich sogar eine Verlagerung der Machtverhältnisse zu ihren Gunsten. Der dritte Stand erhoffte sich politisches Mitspracherecht und als erstes Zeichen stellte der dritte Stand die Forderung auf, nach Köpfen und nicht nach Ständen abzustimmen, um so die Mehrheit zu haben. Da Adel und Geistlichkeit zum größten Teil hierauf nicht eingingen, konstituierte sich der dritte Stand am 17. Juni 1789 allein als Nationalversammlung (Assemblée nationale constituante).

Als die Regierung einen Versuch machte diese Nationalversammlung aufzulösen, sie behauptete das Parlamentsgebäude müsse wegen Bauarbeiten geschlossen werden, begaben sich die Mitglieder in das Ballhaus und schwuren dort am 20. Juni 1789, sich nicht zu trennen, bis sie die neue Verfassung des Königreichs aufgerichtet hätten. Teile der anderen Stände schlossen sich an, aber noch immer versuchte der König die Entwicklung aufzuhalten.

Mit königlichem Beschluss erklärte er die Nationalversammlung des dritten Standes für illegal und befahl die getrennte Beratung. Die Nationalversammlung blieb ihrem Schwur dennoch treu und wieder zeigte sich die fehlende Durchsetzungskraft des Königs, denn er ließ sie nicht nur gewähren, sondern ordnete an, dass sich die anderen Abgeordneten der Nationalversammlung anschließen sollten.

Noch glaubte Ludwig XVI. das Ruder herumreißen zu können. Er entließ am 11. Juli seinen Finanzminister Necker. Auch wenn Necker von der Nationalversammlung als Gegner angesehen wurde, achtete man ihn und traute ihm als einzigen zu, eine Reform durchzuführen. Der König wollte die konstituierende Sitzung der neuen Nationalversammlung verhindern und zog Truppen herbei. In Paris wurden daraufhin Bürger zu einer Nationalgarde zusammengerufen. Die in Blau und Rot gekleidete Bürgerwehr sollte die Nationalversammlung unter allen Umständen schützen.

Der 14. Juli 1789, heute Nationalfeiertag in Frankreich, wird oft als Geburtsstunde der eigentlichen Revolution, der Revolution des dritten Standes, bezeichnet. Die Nationalgarde war nur mäßig bewaffnet und man benötigte dringend Kanonen. Diese waren im Pariser Stadtgefängnis, der Bastille, und so zogen die Pariser Bürger zu der Stadtfestung um die Kanonen zu konfiszieren.

Das alte Regierungssystem war gestürzt. Ludwig XVI. musste Necker zurückrufen und sich selbst nach Paris begeben. Dort wurde Jean-Sylvain Bailly zum Präsidenten der Nationalversammlung und ersten Bürgermeister von Paris ernannt, während der aus dem amerikanischen Krieg bekannten Marquis v. Lafayette zum Befehlshaber der aus Bürgern gebildeten Nationalgarde wurde.

Auch in den Provinzen ging überall die Regierungsgewalt an die Erwählten der Bevölkerungen über, während gleichzeitig Bauernaufstände gegen den Adel stattfanden. Dieser hielt es für geraten, in der Nachtsitzung der Nationalversammlung vom 4. August 1789 selbst seine Vorrechte freiwillig zum Opfer zubringen.

Allgemeine Gleichheit, persönliche Freiheit, Volkssouveränität wurden von der Versammlung zu unentbehrlichen "Menschenrechten" erklärt.

Aber dieses ruhige Fortschreiten genügte den Revolutionären nicht, unter denen sich auch der Herzog von Orléans, ein königlicher Prinz, befand. Er hetzte die Bevölkerung von Paris am 5. Oktober 1789 auf nach Versailles zu ziehen. Am 6. Oktober wurde das Schloss gestürmt, wobei die Leibgarden niedergemetzelt wurden, und der König gezwungen, sowohl seinen Sitz als den der Nationalversammlung nach Paris zu verlegen. So geriet die Staatsleitung direkt unter Einfluss der revolutionären Elemente der Hauptstadt.

In Paris ging die Nationalversammlung seit November 1789 an die Ausarbeitung einer Verfassung auf Basis der Aufklärung ohne Rücksicht auf die geschichtlichen Verhältnisse und an die Neueinteilung Frankreichs in 83 nach geographischen Beziehungen abgegrenzte Departements.

Verfassung und Verwaltung beruhten ganz aus gewählten Abgeordneten und Beamten, so dass dem Monarchen mit dem beschränkten Veto nur wenig mehr als der Name übrig blieb. Die Allgemeine Religionsfreiheit wurde eingeführt, jedoch die Geistlichkeit der Staatsgewalt unterworfen und zum Eid auf diese Konstitution verpflichtet. Die Folge war ein fast allseitiger Widerstand des Klerus. Die Kirchengüter wurden daraufhin eingezogen, um zum Besten des Staats verkauft zu werden; einstweilen wurde auf ihnen ein Papiergeld, die Assignaten, fundiert. Der Adel wurde formell ganz abgeschafft.

Während dieser sich überstürzenden Reformen herrschte äußerlich immer noch eine gewisse Ruhe und Gesetzlichkeit. Mirabeau, der selbst die Leitung des Staats zu erhalten wünschte, verdrängte im September 1790 Necker aus dem Ministerium, nachdem letzterer bereits längst die allgemeine Achtung verloren hatte; aber Ludwig XVI. wollte nichts von Mirabeau wissen.

Nachdem  Mirabeau am 4. April 1791 starb hatten die extremen Revolutionäre freien Spielraum. Mit Schrecken sahen die bisherigen Führer der Linken, Lameth, Lafayette, Duport, sich von den Leitern des wilddemokratischen Klubs der Jakobiner, Robespierre, Marat u. a., überholt und bedrängt.

Robespierre setzte Ende Mai 1791 in der Nationalversammlung den Beschluss durch, dass kein Mitglied derselben für die nächstfolgende Versammlung wählbar sein sollte.

Ludwig XVI. wollte sich der drohenden Übermacht der Pariser Straßendemagogen nicht freiwillig ausliefern. So bereitete er heimlich seine Abreise aus Paris vor. In der Nacht des 20. Juni 1791 begann die Flucht, aber am zweiten Abend wurde Ludwig XVI. vom Postmeister von Ste.-Menehould, Drouet, erkannt und in dem Städtchen Varennes angehalten.

Das Volk glaubte, der König wolle Frankreich den Fremden und den Aristokraten ausliefern, und zwang ihn zur Umkehr nach Paris. Spätestens jetzt war die Monarchie zum Untergang verurteilt. Indessen gelang es noch einmal der gemäßigten Linken in der Nationalversammlung, die republikanischen Gelüste inner- und außerhalb derselben zu unterdrücken und das konstitutionelle Verfassungswerk zu Ende zu führen.

Nachdem der machtlose König die Verfassung angenommen hatte, löste sich die Nationalversammlung im September 1791 auf.

Unmittelbar nach der Verkündigung der neuen Verfassung trat die neu gewählte Gesetzgebende Versammlung (Assemblée nationale législative, 745 Mitglieder) in Wirksamkeit. In ihr war die frühere Rechte ganz verschwunden, die bisherige konstitutionelle Linke zählte zwar zahlreiche Mitglieder, aber diese waren unsicher und entmutigt, während die eigentliche Führung der energischen Partei der republikanischen Linken zugefallen war, die, weil sie von den Abgeordneten des Gironde-Departements (Brissot, Vergniaud, Isnard, Guadet u. a.) geführt wurde, den Namen der Girondisten empfing.

Sie kam bald mit dem König in Zwist, da derselbe den Gesetzen, betreffend die Bestrafung der den Eid auf die Zivilverfassung der Kirche verweigernden Priester und der ausgewanderten Adligen (Emigranten), seine Genehmigung versagte.

Um die revolutionären Leidenschaften von neuem zu entflammen, wünschte die Gironde den Krieg gegen die Mächte des alten Europa herbeizuführen.

Nachdem sie durch Vorspiegelung von Kränkungen seitens des deutschen Kaisers und der deutschen Fürsten das französische Volk aufgereizt und dem König ein Ministerium aus ihrer Mitte aufgenötigt hatte, beschloss die Gesetzgebende Versammlung am 20. April 1792 den Krieg gegen Österreich, das von Preußen unterstützt wurde.

Freilich wurde dieser Krieg von dem zerrütteten Heer schlecht genug geführt; aber gerade dieser Umstand erregte die Leidenschaft der hauptstädtischen Bevölkerung, da man sich vom Hofe verraten glaubte.

Am 20. Juni 1792 drang ein Pöbelhaufe, von der Nationalgarde nicht behindert, in die Tuilerien, beschimpfte den König und seine Gemahlin, räumte aber, durch die Vorstellungen des Bürgermeisters Pétion bewogen, das Schloss wieder.

Nach diesen Szenen suchte Ludwig nur noch in völliger Unterwerfung unter die Gesetzgebende Versammlung, deren Führer doch bereits auf die Vernichtung des Königtums hinarbeiteten, Schutz und Rettung. Schon am 10. August 1792 stürmten unter geheimer Begünstigung des girondistischen Bürgermeisters von Paris, Pétion, das Volk gegen die Tuilerien. Die Nationalgarden verweigerten die Verteidigung, die Schweizergarde wurde von dem Pöbel niedergemetzelt. Der König und seine Familie suchten bei der Gesetzgebenden Versammlung Zuflucht. Diese aber suspendierte das Königtum und behielt den König selbst, angeblich zu dessen Sicherung, in Gewahrsam.

Der wahre Sieger des 10. August war der revolutionäre Gemeinderat, der sich des Pariser Stadthauses bemächtigt hatte. Seine Anhänger in der Gesetzgebenden Versammlung trennten sich als "der Berg" (la Montagne, weil sie die höchsten Sitzreihen einnahmen) von den Girondisten, geführt von Georges Danton. Er organisierte das Schreckensregiment, die Verfolgung der politisch Verdächtigen. Am 2. September 1792 begann ein fünftägiges Morden unter den angeblich politischen Gefangenen in Paris. Etwa 2.000 Inhaftierte wurden getötet, die meisten waren einfache Kriminelle.

Gleichzeitig drangen die Preußen und Österreicher unter dem Herzog von Braunschweig in die Champagne ein. Die Unentschlossenheit des Führers aber, wie sie sich besonders in der entscheidungslosen Kanonade von Valmy am 20. September zeigte, führte das Scheitern des Feldzugs und den Rückzug der Preußen herbei.

Darauf brach Dumouriez in die österreichischen Niederlande ein und eroberte sie durch den Sieg bei Jemappes am 6. November. Custine nahm Trier, Speyer und Mainz am 21. Oktober.

Die Jakobiner jubelten; es konnte ihnen gleichgültig sein, dass die Wahlen zu dem am 21. September 1792 zusammentretenden Nationalkonvent (Convention nationale) zumeist auf Gemäßigte gefallen waren, da sie den bewaffneten Pöbel von Paris zur Verfügung hatten.

Der Konvent begann seine Tätigkeit sofort mit der Erklärung, das Königtum sei abgeschafft, und am 22. September wurde die Republik proklamiert. Die Gironde wusste ihre Überlegenheit in der Versammlung nicht zu nutzen. Sie ließ sich von der Bergpartei dazu drängen, die Einkerkerung der königlichen Familie und die Einleitung eines Prozesses gegen Ludwig XVI. zu genehmigen.

Die Gironde war jetzt schon so gut wie besiegt, und am 17. Januar 1793 wurde der König dem Verlangen der Jakobiner gemäß zum sofortigen Tod verurteilt und das Urteil am 21. Januar 1793 vollzogen. Diese Bluttat sollte den Bruch mit der Vergangenheit vollenden und jede Rückkehr zur Monarchie unmöglich machen.

Die Hinrichtung des Königs erregte die Entrüstung ganz Europas. England, Holland und Spanien traten zu den Gegnern Frankreichs über. Belgien wurde von den Österreichern durch die Schlacht bei Neerwinden am 18. März 1793, und Mainz am 20. Juli durch die Preußen wiedererobert. Ein anderes österreichisches Heer drang unter Wurmser in das Elsass ein.

Immer höher stiegen die Leidenschaften in Frankreich selbst. Aus der Mitte des Konvents wurde unter dem Namen des Wohlfahrtsausschusses, dessen Häupter Robespierre und Danton waren, eine revolutionäre Regierung eingerichtet.

Es wurde ein Revolutionstribunal gebildet, welches summarisch alle politischen Vergehungen bestrafen sollte. Kommissare wurden in die Departements geschickt, um dort überall dem Terror zum Sieg zu verhelfen. So ermutigt, gingen die Jakobiner zum letzten Angriff auf die Girondisten über, welche immer noch die Gesinnung der großen Mehrheit des französischen Volkes repräsentierten.

Die Pariser Sektionen begannen am 31. Mai 1793 mit Sturmpetitionen und schlossen ihn am 2. Juni, indem sie den Konvent zur Verhaftung von 32 Führern der Gironde nötigten, die später zum größten Teil hingerichtet wurden.

Die Königin endete am 16. Oktober auf dem Schafott. Dasselbe Schicksal traf viele ausgezeichnete Männer der ersten Revolutionszeit. Der Terror hatte gesiegt.

Aber im Süden, besonders in Lyon und Bordeaux, erhob sich das Volk für die Girondisten; Toulon überlieferte sich den Engländern; im Westen, in der Vendée, empörten sich die royalistischen Edelleute und Bauern.

Am 27. August 1793 hissten die 28.000 Einwohner von Toulon eine Flagge mit der königlichen Lilie darauf und riefen Ludwig XVII. zu ihrem König aus. Unterstützt wurden sie dabei von den Engländern und so öffneten sie umgehend den Hafen für englische und spanische Schiffe. Admiral Hood wurde die Stadt mitsamt 30 Linienschiffen der französischen Mittelmeerflotte übergeben.

Ungefähr 18.000 Soldaten, hauptsächlich Engländer, verschanzten sich hinter den starken Festungsmauern und sollten die Stadt verteidigen. In den Überlegungen der Engländer war Toulon der Brückenkopf um endlich auf dem europäischen Kontinent Fußfassen zu können. Außerdem sollte die Unterstützung andere königstreuen Städte ermutigen, ebenfalls gegen Paris zu revoltieren.

Die Bergpartei jedoch antwortete entschlossen, indem sie aus den ihr ergebenen niedern Klassen zahlreiche Heere gegen ihre innern und äußern Gegner organisierte.

Der erst 24-jährige Offizier Napoleon Bonaparte hatte großen Anteil an der Eroberung der Festung von Toulon und lenkte damit den Blick des Direktoriums auf sich. Lyon und Toulon wurden durch die Revolutionsarmee überwältigt und mit Massenmord und furchtbarer Plünderung bestraft. Darauf unterwarfen sich zitternd die Provinzen, wo nun meist eine Volksherrschaft mit systematischer Ausplünderung der Besitzenden hergestellt wurde. Das Christentum wurde abgeschafft und der christliche Kalender durch einen revolutionären ersetzt.

Aber auch in der Bretagne formierte sich eine starke Opposition. Nach der Hinrichtung Ludwig XVI. und als Reaktion auf die antiklerikalen Gesetze organisieren sich die Choans, eine Bezeichnung für die bretonische Royalisten, und entfachten einen Aufstand. Mit äußerster Gewalt ging man gegen die Aufständischen vor.  Geführt werden sie von Marquis de la Rouerie und von Georges Cadoudal. Bei Quiberon wurden die Choans 1795 von einem Revolutionsheer geschlagen. Zahlreiche Kritiker der Revolution wurden hingerichtet. Um noch schneller morden zu können, kam man auf die grausamsten Methoden. Hunderte starben durch die "Hochzeit von Nantes" oder "Republikanische Taufe". Dabei wurden die Opfer alleine oder zusammengebunden ins Wasser geworfen und ertranken.

Eine Partei der Terroristen unter Hébert wollte den Sozialismus praktisch verwirklichen und die Religion durch den Kult der Vernunft ersetzen. Aber Robespierre sah ein, dass sich mit solchen Grundsätzen überhaupt nicht regieren lasse, und bewirkte im März 1794 die Verhaftung und Hinrichtung dieser sogenannten "Wütenden" (enragés). Zusätzlich gelang es ihm den gemäßigten Danton als unbequemen Nebenbuhler auf das Schafott zu bringen.

Robespierre und sein Vertrauter Saint-Just wollten nun durch blutige Ausrottung des unheilbar verderbten alten Geschlechts das Ideal eines allmächtigen Volksstaats verwirklichen. Das Verfahren des Revolutionstribunals wurde derart beschleunigt, dass täglich in Paris allein 60 bis 70 Menschen hingerichtet wurden.

Inzwischen wurden nach außen mit den durch Carnot organisierten Heeren unter Generälen, wie Hoche und Pichegru, auch militärische Erfolge gegen die europäischen Mächte errungen.

Die bei Fleurus am 26. Juni 1794 von Jourdan besiegten Österreicher räumten nicht nur Belgien, sondern auch fast das ganze linke Rheinufer, während das wegen der polnischen Frage mit Österreich zerfallene Preußen untätig blieb und sogar am 5. April 1795 mit Frankreich einen bis 1806 haltenden Frieden schloss.

Auch Spanien fiel von der Koalition ab. Pichegru eroberte im Winter 1794 bis 1795 die Niederlande und gründete dort die batavische Schwesterrepublik.

Die Diktatur Robespierres wurde aber endlich den Jakobinern selbst lästig, während das Volk des beständigen Blutvergießens überdrüssig zu werden begann, und als der Diktator seine Feinde durch ein Blutgericht zu vernichten versuchte, wurde er am 9. Thermidor (27. Juli 1794) auf Befehl des Konvents selbst verhaftet und mit 100 Führern der Jakobiner aus dem Konvent und der Pariser Kommune (der revolutionären Stadtverwaltung) guillotiniert. Die daran beteiligten Mitglieder wurden danach als Thermidorianer bezeichnet.

Ermutigt durch das Ende des Terrors fing der Mittelstand an, sich gegen die Herrschaft des einfachen Volkes zu regen. Auch im Konvent fassten die Gemäßigten wieder Mut. Der Klub der Jakobiner wurde erst beschränkt, dann am 11. Nov. 1794 geschlossen. 73 früher aus dem Konvent vertriebene Girondisten wurden zurückgerufen, wo sie nun einer entschiedenen Reaktion huldigten.

Das Revolutionstribunal wurde aufgehoben. Die Zustände waren aber keineswegs erfreulich. Während sich einerseits die wohlhabenden Klassen nach langem Schrecken in ausschweifender Lust entschädigten, litten die niedern nach Aufhebung der auf künstliche Herabsetzung der Lebensmittelpreise gerichteten Maßregeln unter den Folgen der allgemeinen Arbeitsscheu, der Rekrutierungen, der Störungen von Gewerbe und Handel. Die Assignaten, deren man für 27 Milliarden ausgegeben, waren bis auf 8 Prozent ihres Nennwerts gefallen.

Nachdem ein Aufstand der Jakobiner am 1. Prairial (20. Mai 1795) und ein Erhebungsversuch der Royalisten am 13. Vendémiaire (5. Oktober 1795) unterdrückt wurden, wurde eine neue Verfassung ausgearbeitet, welche zwei Kammern (einen Rat der Fünfhundert und einen Rat der Alten) und ein gewähltes Direktorium von fünf Männern an die Spitze der Republik stellte.

Die Verfassung trat am 27. Oktober 1795 in Wirksamkeit. In das Direktorium wurden nur alte Montagnards (Carnot, Rewbell, Barras, Laréveillère und Letourneur) gewählt, von denen Barras der bedeutendste war. Der Schwerpunkt der Situation für die neue französische Regierung lag in den auswärtigen Verhältnissen, denn schon war das Volk über die einst so heiß ersehnte Freiheit enttäuscht und strebte vielmehr nach äußerem Glanz und Ruhm.

Überdies konnten nur durch große Kontributionen im Ausland die Finanzen des Staats in Ordnung gebracht werden. Das Direktorium beabsichtigte einen zweifachen Angriff auf Österreich: durch die beiden Armeen Jourdans und Moreaus in Deutschland und das italienische Heer unter Bonaparte.

In Deutschland hatten die Franzosen keinen Erfolg. Erzherzog Karl ließ sie bis nach Bayern vordringen, um sich mit gesammelter Macht erst auf Jourdan zu werfen, den er am 24. August bei Amberg und am 4. September bei Würzburg  bis zur Auflösung schlug, und dann Moreau zum verlustvollen Rückzug in das Elsass zu zwingen.

Erfolgreicher war Bonaparte in Italien gewesen. In mehreren siegreichen Schlachten vertrieb er im April 1796 die Österreicher aus Piemont, zog in Mailand ein und zwang die italienischen Fürsten sämtlich zu Friedensverträgen, in denen sie sich zu Lieferungen und Geldzahlungen verstehen mussten. Nur Mantua hielt sich noch, und Österreich sandte, um diese wichtige Festung zu entsetzen, eine Armee nach der andern nach Oberitalien. Aber das Heer Wurmsers wurde bei Castiglione (5. August), die beiden Armeen Alvinczys nacheinander bei Arcole (15.-17. November) und Rivoli (14. Januar 1797) geschlagen.

Am 2. Febr. 1797 musste Mantua kapitulieren, und damit war Italien für Österreich verloren. Mit Hilfe beträchtlicher Verstärkungen nötigte Bonaparte den Papst zu dem verlustreichen Frieden von Tolentino. Die Lombardei wurde zur Cisalpinischen, einige römische und modenesische Provinzen zur Cispadanischen Republik umgewandelt. Als Bonaparte durch die Ostalpen auf Wien marschierte, entschloss sich Österreich am 7. April 1797 zum Waffenstillstand von Leoben, dem am 17. Oktober zu Campo Formio der förmliche Friedensschluß folgte: Belgien und das linke Rheinufer wurden an Frankreich abgetreten; Österreich erkannte die oberitalienischen Republiken an und wurde durch Venetien und einige deutsche Stifter entschädigt, wie denn auch die Fürsten, welche in Italien und links des Rheins Verluste erlitten hatten, im Deutschen Reich entschädigt werden sollten. Hierüber sollte ein Kongress in Rastatt verhandeln.

Nach diesen Erfolgen kehrte Napoleon nach Paris zurück. Hier hatte das Direktorium eine schwierige Stellung. Die kommunistische Verschwörung Babeufs wurde zwar zeitig entdeckt und durch die Hinrichtung ihrer Führer im Mai 1796 unterdrückt; den zunehmenden Royalismus, welcher im Sommer 1797 schon die Mehrheit der beiden Räte und auch ein Mitglied des Direktoriums, Barthélemy, zu seinen Anhängern zählte, konnte die Regierung aber nur durch den Staatsstreich vom 18. Fructidor (4. Sept. 1797) unschädlich machen.52 Deputierte und 2 Direktoren, Carnot und Barthélemy, wurden daraufhin deportiert.

Napoleon wurde beauftrag eine Invasion gegen England vorzubereiten. Er konnte das Direktorium davon überzeugen, dass solch ein Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. Stattdessen schlug er vor Ägypten zu erobern und somit Englands Stellung in Indien zu gefährden. Diese Expedition hatte nun zwar nicht den erträumten Erfolg, da die französische Flotte am 1. August 1798 in der Bucht von Abukir von Nelson völlig vernichtet und die französische Armee damit von Nachschub abgeschnitten wurde, doch konnte Napoleon mit seinem Sieg bei den Pyramiden den Misserfolg gegenüber der französischen Bevölkerung verdecken.

Dazu kam, dass sich im Sommer 1798 auf Betreiben Russlands eine neue Koalition gegen Frankreich gebildet hatte, der sich England, Österreich, die italienischen Fürsten und die Türkei anschlossen. Das Wohl Frankreichs war jetzt nicht mehr in Ägypten oder Indien zu suchen, sondern musste an den heimischen Staatsgrenzen verteidigt werden.

Die Franzosen wurden 1799 aus Süddeutschland und aus Italien vertrieben. Ein Angriff der Verbündeten auf Frankreich selbst wurde nur dadurch verhindert, dass es Masséna gelang, den Feinden in der Schweiz mehrere Niederlagen beizubringen und ihre Vereinigung zu hindern. In diesem Augenblick landete Bonaparte in Frankreich.

Im Einverständnis mit den Direktoren Sieyès, der schon längst gegen die Verfassung gearbeitet hatte, und Roger Ducos sprengte er am 18. Brumaire (9. Nov. 1799) mit militärischer Gewalt die Räte und setzte ein provisorisches Konsulat ein, welches er, Sieyès und Roger Ducos bildeten. Damit war im Grund nicht allein die Revolution, sondern auch die Republik vernichtet. An ihre Stelle trat die Herrschaft des siegreichen Feldherrn.

Quellen:

 
© 2003-2009 www.napoleon-portal.de, Bonn ISSN 1864-9971

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