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Am 17. November 1755 wurde der spätere Monarch Ludwig XVIII. (Louis-Stanislas-Xavier, Comte de Provence) in Versailles bei Paris geboren. Ludwig, als Sohn des Dauphin Ludwig Ferdinand (1729-1765) und dessen Gemahlin Maria Josepha von Sachsen geboren erhält von Geburt an den Titel Comte de Provence, ab 1793 Regent im Exil, ab 1795 Thronprätendent im Exil, ab 1814 König von Frankreich, allerdings wurde seine Herrschaft unterbrochen durch die Cent Jours (Hundert Tage) Napoleons.
Ludwig wird im Alter von 16 Jahren mit Louise-Marie-Joséphine de Savoie verheiratet und tritt offiziell in die höfische Gesellschaft unter Ludwig XV (1710-1774) ein, verfügt aber über keinerlei politischen Einfluss. Statt dessen verbringt er seine Zeit mit Reisen, Literatur und Finanzgeschäften. Zu seinen Leidenschaften zählt zudem das Essen, wewegen er bereits in jungen Jahren über einen beträchtlichen Leibesumfang verfügt.
Auch nach dem Tod seines Großvaters und dem Regierungsantritt seines älteren Bruders am 10. Mai 1774, werden Ludwigs politische Ambitionen enttäuscht, denn er wird nicht in den Ministerrat berufen. Ludwigs Einfluss wird erst im Zuge der sich verschärfenden Staatskrise am Vorabend der Revolution größer. Ludwig übernimmt den Vorsitz der Notabelnversammlung, wo er für die Rechte des Adels eintritt und nur zum Schein auf die Forderungen des Dritten Standes eingeht. Im Sommer 1789 spricht er sich schließlich zusammen mit dem Comte d’Artois offen gegen Jacques Neckers (1732-1804) Vorschlag zur Vereinigung der drei Stände aus.
Den Ausbruch der Revolution erlebt Ludwig im Kreis der Königsfamilie in Versailles. Nach dem Sturm auf die Bastille verlässt er jedoch nicht das Land, sondern folgt dem Hof am 6. Oktober des Jahres nach Paris. Einquartiert im Palais Luxembourg, beginnt er sich an den Spekulationen und Intrigen zu beteiligen, die das politische Leben der Hauptstadt bestimmen. Sein unstetes, ungeschicktes und illoyales Taktieren schadet seinem Ruf nachhaltig, so dass er von den Zeitgenossen als schwach, feige und politisch unbedeutend wahrgenommen wird.
1791 verlässt Ludwig Frankreich und flieht zunächst nach Koblenz in die Reihen der Gegenrevolutionäre, die vom Comte d’Artois angeführt werden. Im Zuge der diplomatischen und militärischen Operationen der Folgemonate muss er sich erneut einem seiner Brüder unterordnen. 1792 nimmt er am Feldzug der Armee seines Bruders teil. Im August 1792 verlässt er Koblenz an der Spitze von 6000 Soldaten, um sich dem preußischen Heer anzuschließen. Die Emigrantenarmee greift jedoch kaum in die Kampfhandlungen ein und muss sich dem preußischen Rückzug anschließen.
Im Dezember 1792 erhalten die Brüder Asyl im westfälischen Hamm. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI im Januar 1793 proklamiert er den Dauphin (1785-1795) zum König Ludwig XVII., bestimmt sich selbst zum Regenten und den Comte d’Artois zum Lieutenant-Général Frankreichs. Nach dem Tod Ludwigs XVII. lässt sich der überzeugte Anhänger der Monarchie im Juni 1795 in Verona zum König Ludwig XVIII. proklamieren. Daran anschließend erarbeitet er ein politisches Programm für den Fall seiner Rückkehr nach Frankreich.
Im Zuge der Krönung Napoleons verspricht er, bei Wiedereinführung der Monarchie den „Willen der Nation“ zu berücksichtigen. 1807 begibt er sich schließlich nach England, darf dort jedoch nicht seinen Titel führen und muss sich mindestens 50 Meilen von der Hauptstadt entfernt aufhalten. Während seines siebenjährigen Inselaufenthaltes, in denen er Kontakt zu dem späteren Personal seines Hofes knüpft, verliert Ludwig seine Frau (10.11.1811) und ist darüber hinaus anfällig für Krankheiten, die ihn zeitweilig sogar an den Rollstuhl fesseln.
Die Erfolge der Alliierten lassen Ludwig ab 1813 auf eine Wiederherstellung der Monarchie hoffen. In einer Erklärung im Feburar 1813 manifestiert er, dass die administartiven und juristischen Strukturen beibehalten werden sollen und auch keine Vergeltung und Verfolgung stattfinden soll. Mit Unterstützung der Engländer wird ab Januar 1814 die Rückkehr des Monarchen und seines Bruders nach Frankreich vorbereitet.
Im Anschluss an die Einnahme von Paris durch die alliierten Truppen am 31. März 1813 bietet die provisorische Regierung unter Talleyrand (1754-1838 ) dem exilierten Monarchen am 17. April die Königswürde unter der Voraussetzung an, dass er den vom Senat ausgearbeiteten Verfassungsentwurf akzeptiert. Ludwig schlägt das Angebot bei seiner Rückkehr nach Frankreich jedoch aus, da er seinen Herrschaftsanspruch aus der Legitimität der französischen Monarchie begründet und nicht aus dem Kontext der Revolution. Daraufhin erarbeitet eine Verfassungskommission den Entwurf der am 4. Juni 1814 verlesenen Charte Constitutionelle, die sich in der Frage der Legitimation des Königs von den Prinzipien der Revolution distanziert und dennoch die politischen und administrativen Neuerungen der Jahre 1789-1814 berücksichtigt.
Dieser Verfassungskompromiss soll die Grundlage für eine Versöhnungspolitik der Mäßigung und des Vergessens bilden, trifft jedoch in den Kreisen der radikalen Gegenrevolutionäre als auch in der bonapartistisch gesonnenen Armee auf offene Ablehnung. Auch den gesellschaftliche Problemen kann Ludwig in seiner Funktion als König nicht entschlossen genug entgegnen. Diese Umstände spielten Napoleon in die Hände und förderten dessen Rückkehr aus dem Exil. Am 18. März 1815 floh Ludwig erneut aus Frankreich.
Nachdem Talleyrand und Fouché Ludwig nach den Cent Jours erneut als König einsetzen, ist die ersehnte Versöhnung zwischen Herrscher und Bevölkerung jedoch in weite Ferne gerückt. Ludwig kann auch dem Einfluss der Ultra-Royalisten nicht einhalt gebieten, die bei den Parlamentswahlen im August 1815 einen überwältigenden Erfolg erringen. Unter deren Einfluss kommt es anschließend zu einer brutal durchgeführten Vergeltungs- und Säuberungswelle, der neben prominenten Heerführern auch die politischen Laufbahnen Fouchés und Talleyrand zum Opfer fallen. Die sich verschärfende Polarisierung zwischen royalistischen und liberalen Kräften führt zu ständigen Konflikten zwischen Regierung und Kammer, so dass in 1816 die Kammer auflöst und Neuwahlen ausschreibt. Ludwig kann die von ihm favorisierten gemäßigten Kandidaten erfolgreich protegieren und erhält dadurch die Mehrheit der Kammer. Doch ist die Phase liberaler Politik nicht von Dauer. Am 14. Februar 1820 fällt der Duc de Berry (1778-1820) einem politischen Attentat zum Opfer, dem sich eine Phase politischer Gewalttätigkeit samt Deliberaliserung anschließt.
Das nachfolgende Ministerium unter Jean Baptiste Villèle (1773-1854) fußt auf der starken parlamentarischen Mehrheit der Royalisten. Der an Altersschwäche leidende Ludwig XVIII. hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem politischen Alltag zurückgezogen. Der von Krankheit gezeichnete Ludwig verstirbt schließlich am 16. September 1824 in Paris und wird in der Kathedrale von Saint-Denis beigesetzt.
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