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Hieroglyphen

196 v. Chr. wurde ein Dekret des Rates der ägyptischen Priester in einen Stein gemeißelt. Der Text wurde in zwei Sprachen und drei verschiedenen Schriften geschrieben. Oben befindet sich die griechische Version, die weiteren ägyptischen Texte sind in Hieroglyphen und demotischer Schrift geschrieben.

Während die Hieroglyphen hauptsächlich für Denkmäler eingesetzt wurden, entwickelte sich die demotische Sprache zur ägyptischen Alltagssprache. Etwa im 4. Jahrhundert wurden das letzte mal Hieroglyphen geschrieben. Demotisch hielt sich bis ins 3. und 4. Jahrhundert, wandelte sich während der Christianisierung in die koptische Sprache. Die letzten demotischen Schriften wurden Mitte des 5. Jahrhunderts geschrieben.

Zur Zeit Napoleons wusste man praktisch nichts mehr über die Bedeutung der Hieroglyphen und hielt sie für reine Verzierung oder magische Zeichen.

Der Jesuit und Universalgelehrter Athanasius Kircher erkannte jedoch im 17. Jahrhundert, dass Koptisch keine eigene Sprache, sondern eine Entwicklung aus der ägyptischen Sprache war. Die Hieroglyphen konnte er dennoch nicht entschlüsseln, der entscheidende Hinweis fehlte noch.

1798 führte England Krieg gegen Frankreich. Napoleon wurde der Oberbefehl der Armee gegen England gegeben. Anstatt eine hoffnungslose Invasion gegen die Insel durchzuführen, schlug Napoleon vor das Heer nach Ägypten zu überführen, um von dort aus Druck auf das englische Indien auszuüben.

Napoleons Ägyptenexpedition, welche militärisch nach der Schlacht von Abukir bereits zum Scheitern verurteilt war, wurde wissenschaftlich dennoch zu einem großen Erfolg. 150 Zivilisten, Wissenschaftler und Gelehrte waren in seinem Tross und blieben auch nach Napoleons Rückkehr nach Frankreich in Ägypten um weiter zu forschen.
Mitte Juli 1799 sollte bei der ägyptischen Stadt el-Rashid (Rosetta) im Nildelta die militärische Befestigung erweitert werden. Zufällig wurde bei den Befestigungsarbeiten der Stein von dem französischen Offizier Pierre Francois Xavier Bouchard gefunden.

Das Gewicht des Basaltsteins beträgt 762 Kilogramm, er ist 114 cm hoch, 72 cm breit und 28 cm dick. Es stellte sich schnell heraus, dass der Stein dennoch unvollständig war. An der linken oberen Ecke, am rechten oberen Rand und die untere rechte Ecke fehlten.
Die Franzosen mussten einen Großteil ihrer Fundstücke nach der Kapitulation bei Alexandria im Jahr 1802 an die Engländer übergeben. So ging auch der Stein von Rosette nach England, wo er bis heute im British Museum aufbewahrt wird.

Der 1790 geborene Jean-François Champollion sollte schließlich das Geheimnis um den Stein von Rosetta lösen. Bereits in seiner Schulzeit fand er großes Interesse an Sprachen und vor allem an den alten ägyptischen Schriftzeichen.

Der Durchbruch gelang ihm im August 1821. Er erkannte, dass die hieratische Schrift eine andere Darstellung der Hieroglyphen war. Er hatte aber noch einen großen Denkfehler, da er annahm die Schrift sei eine reine Bildersprache. Am 23. Dezember 1821 wurde ihm klar, dass dies nicht der Fall sein konnte, als er begann die Hieroglyphen und griechischen Wörter zählte. Obwohl der Text inhaltlich gleich sein musste, waren dreimal mehr Hieroglyphen als griechische Wörter in den Stein geschlagen. Ihm war sofort klar, dass mehrere Hieroglyphen erst ein Wort bildeten.

Anhand bedeutender Königsnamen leitete er nun Schritt für Schritt die Hieroglyphen ab. Ausgangspunkt war der Name Ptolemaios in griechischer Schrift und sein ägyptisches Pendant auf dem Rosetta-Stein. Da im altägyptisch keine Vokale geschrieben wurde, konnte sich Champollion ie unterschiedliche Anzahl von Hieroglyphen und ägyptischen Buchstaben erklären. Mit dem Namen Kleopatra erhärtete er seine Theorie, hatten die beiden Königsnamen doch 4 gleiche Buchstaben. Im gelang es auf diese Weise 12 Hieroglyphen zu entschlüsseln. Er nahm weitere ägyptische Dokumente und Bilder zur Hilfe und löste einen Namen nach dem anderen auf.

Am 22. September 1822 fasste er seine Erkenntnisse in dem „Lettre à M. Dacier“ zusammen und hielt einige Tage später einen Vortrag vor der Académie française.

Nachdem er nicht nur die alphabetischen Werte, sondern auch die Systematik der Hieroglyphen erkannte, dauerte es nicht lange bis sehr viele Zeichen und Wörter entschlüsselt wurden. Endlich konnte die ägyptische Geschichte anhand ägyptischer Schriften erforscht werden. Nicht umsonst gilt der September des Jahres 1822 als Geburtsstunde der Ägyptologie.

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© 2003-2009 www.napoleon-portal.de, Bonn ISSN 1864-9971

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